Literatur im Fernsehen III

Mal wieder ein Sonntagmorgen. Es regnet Bindfäden. Der Wind bläst heftig. Klimawandel? Lieber im Bett bleiben, länger schlafen, dösen, ein „gutes“ Buch lesen?

Nein, natürlich nicht! Denn: Sonntagmorgen ist ja Literaturzeit in 3sat. So auch heute wieder, am 17.03.2019: „lesenswert“ Quartett, mit Denis Scheck (vorab schon im SWR-Fernsehen und im Hörfunk bei SWR2). Vier Literaturmenschen sprechen über Bücher. Fest dabei derzeit Insa Wilke und Ijoma Mangold, als Gast diesmal Wiebke Porombka, aktuell auch Jurymitglied für die Vergabe des Preises der Leipziger Buchmesse.

Wiebke Porombka spricht lange, sehr lange. Und Ijoma Mangold dauert das viel zu lange, er unterbricht sie. Auch Insa Wilke will offensichtlich etwas sagen. Aber Denis Scheck (Leiter der Sendung und primus inter pares) grätscht dazwischen. – Das ist hoch amüsant, die Stimmung ist heiter, ja fast ausgelassen. Es wird viel gelacht.

Ijoma Mangold findet Houellebecqs ‚Serotonin‘ läppisch, Insa Wilke meint: weit unter Houellebecq-Niveau, Wiebke Porombka nutzt Adjektive wie sexistisch und rassistisch, Denis Scheck versucht, den Roman zu retten, spricht vom Humor des Franzosen, der zudem erneut einen großartigen Roman veröffentlicht habe.

Und so geht das weiter: Weder bei Han Kangs ‚Deine kalten Hände‘ noch bei John Wrays ‚Gotteskind‘ wird man sich einig, Am ehesten noch bei Kenah Cusamits ‚Babel‘. Zwischendrin fallen illustre Namen: Botho Strauß, Karl-Heinz Bohrer, Thomas Mann, Robert Musil, Heinrich Schliemann u. a. m.

Sprechen über aktuelle Bücher, im kritischen Diskurs, literaturgeschichtliche Vergleiche anstellend, meinungsstark polemisierend … den öffentlich-rechtlichen Qualitäts-Medien sei Dank dafür, dass das zu sehen und zu hören ist. Denn das ist beste Bildungsarbeit jenseits aller Digitalpakte, die umso gelungener ist, je kurzweiliger der Meinungsstreit dargeboten wird.

Sendung verpasst? Macht nichts! Es gibt ja die Mediatheken. Ausreden aller Art (zu früh, zu spät, zu müde, zu lang …) sind unzulässig. Nur wer hinschaut oder hinhört, weiß Bescheid und kann mitreden.

Um es mit den Worten von Denis Scheck zu sagen: ‚Lesen macht schön, schlank und sexy.‘ Übrigens: Fernsehen über Literatur auch!

©Peter Cremer

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